Five young journalists write about Auschwitz.
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Was würde uns das Lager sagen, wenn es sprechen könnte?

Was würde uns das Lager sagen, wenn es sprechen könnte?

Würde es von dem unglaublichen Leiden der Menschen erzählen, die in ihm einmal eingesperrt waren? Würde es uns davon erzählen, dass Frauen ihre Kinder in den mit Fäkalien gefüllten Latrinen versteckt haben, aus Angst die Kinder würden ansonsten gequält werden? Oder davon erzählen wie die Männer, die tagsüber tausende von Menschen vergasten ihren Frauen ein guter Ehemann und ihren Kindern ein guter Vater waren?
Oder würde es all das gar nicht zur Sprache bringen, sondern würde uns lieber von den schönen Momenten im Lager erzählen?
Würde es uns auch von den vielen Millionen Menschen erzählen, die es  seit dem Kriegsende besucht haben, die nach ihrem Besuch nicht mehr die selben Menschen waren, als die sie hergekommen waren.

Das Lager kann sprechen. Ich selbst habe es gehört. Doch wir brauchen mehr als einen gehetzten Besuch um es zu hören. Um das Lager hören zu können brauchen wir Ruhe. Wir dürfen kein Teil einer Gruppe sein, die von ihrem Führer mit allen möglichen wissens- und unwissenswerten Fakten überschüttet wird.
Stattdessen sollten wir im Lager herumlaufen, uns treiben lassen. Zeit in das Denken investieren, in das Gedankenstreifenlassen, in das Zuhören.
Was erzählen einem die Ruinen der Gaskammern? Was die Holz- und die Steinbaracken? Was die kilometerlangen Stacheldrahtzäune, die Latrinen, die Straßen, die Eisenbahnschienen.

Sicherlich möchte ich nichts gegen die Führungen durch das Lager an sich sagen. Sie sind wichtig und bringen uns das Grauen des Lagers vor Augen, klären offene Verständnisfragen, tragen zur Wissensbildung bei. Doch weder zur emotionalen Klärung, noch zum Verständnis des Großen Ganzen können sie besonders viel beitragen. Vielleicht wollen sie das ja auch gar nicht.

Dennoch hetzen Gruppen von Menschen durch das Lager, machen ein Häkchen auf Ihrer Liste der Dinge, die sie gerne sehen wollten und rennen zurück zu ihrem Bus, der sie zuvor in hunderten ausgespuckt hatte.

Vielleicht sollten wir einfach ruhig sein und dem Lager zuhören.

„Das hier konnte nur passieren weil alle weggeschaut haben.“, das hat das Lager zu mir gesagt.

Was hat es zu Dir gesagt?

Ralph Pache

wtorek, 13 lutego 2007, interjournalists

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