Five young journalists write about Auschwitz.
poniedzia³ek, 05 lutego 2007
Normal in Auschwitz leben

Der Zaun um Birkenau ist hoch. An seinem oberen Teil gibt`s Stacheldraht. Wenn man am Opferdenkmal steht, sieht man durch diesen Stacheldraht Häuserdächer, die sich in der Nähe befinden.

Ich weiß nicht, wie man so nah am Konzentrationslager leben kann. So nah an einem Ort, wo solche Sachen passierten.- wundert sich Karolina, 18, die Schülerin einer Oberschule in Oswiecim. Ich könnte es sicher nicht machen. Wenn ich sie nach der Geschichte frage, antwortet sie: Man spricht nicht darüber. Erst dann, wenn es irgendeinen Jahrestag des Lagers gibt. Auβerdem lebt man normal. Normal, also die Schule, das Haus, manchmal auch Spaβ. Aber eigentlich nur die Jüngeren genieβen die Zeit. Und sie haben auch Platz dafür, weil es in der Stadt auch Diskos und Pubs gibt. In der Nacht beginnt die Stadt zu leben. Diskos sind hier so, wie überall.

Nur einmal, als ich in Richtung des Zentrums ging, traf ich eine Gruppe von Jungen, an denen man leicht erkennen konnte, dass sie betrunken waren. Sie sangen eine Melodie: Brown girl in the rain einfach so: Auschwitz Birkenau, scha la la la la. Danach ist es still. Jeder geht in seine Richtung.

Die Einwohner von Oswiecim haben an der ganzen Nachkriegszeitgeschichte von Auschwitz am schlimmsten gelitten. – schreibt Agnieszka Sabor in einem Artikel „Gekennzeichnete Stadt” . Die Neugestaltung der Umgebung um das Lager ist  eine moralische Verpflichtung. Aber ist es wirklich schwierig die Unruhe der Menschen, denen vor Jahren Parzellen im Gebiet zwischen Oswiecim und Auschwitz zugeteilt wurden, zu verstehen?


 Anna M. Potrzeszcz

Übersetzung: Dominika Antosz(nantosz@wp.pl)


13:30, interjournalists , Texte auf Deutsch
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Wie ein großer Friedhof

Wenn ich durch das Gelände des Konzentrationslagers in Auschwitz gehe, begleitet mich die unaufhörliche Stille, der leichte Windstoβ. Am Himmel gibt es ständig Wolken zu sehen. Im Kopf sammelt sich die Unmenge von Gedanken, die mich drücken und zu den Reflexionen bewegen. Es tauchen immer wieder neue Fragen auf, auf die mir sowieso keiner eine Antwort gibt.

Während ich so durch das Lager gehe, habe ich den Eindruck, dass dies gröβte und der anonymste Friedhof von allen Friedhöfen ist. Genau hier kamen unschuldige Menschen ums Leben, Mütter verloren ihre Kinder, Frauen ihre Männer. Genau hier starben ganze Familien. Um zu überleben, mussten sie mit eigenen Schwächen kämpfen… Jetzt herrscht hier eine unaufhörliche Stille. Die Besucher scheinen abwesend zu sein, in ihren Gedanken verloren. Bei manchen sind Tränen zu sehen.

Schön ist, dass die Leute Empfindlichkeit diesem Ort gegenüber zeigen. Es ist schön, dass wir ihm die Achtung schenken, die er verdient. Dank dem Besuch hier sollten wir zu schätzen wissen, dass wir leben können, dass wir frei sind und dass niemand uns die Menschlichkeit wegnimmt.

Sorgen wir deswegen dafür, dass dieser Ort und die Geschichte dieser Menschen nie aussterben!

Anna Malinowska

Übersetzung: Dominika Antosz(nantosz@wp.pl)

 

13:27, interjournalists , Texte auf Deutsch
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Wir sind alle Flüchtlinge

Stacheldraht, Wächter, die Angst einjagen. Dass der Häftling einfach weiß, dass es aus dem Lager keinen Ausweg gibt. Wenn ja, dann nur durch den Kamin, so scherzten immer SS-Leute.hhh

Die Liebe

Trotzdem floh man. So wie Mala und Edek. Jung und ineinander verliebt. Sie war eine Jüdin und er ein Pole. Sie flüchteten verkleidet. Man konnte nicht zulassen, dass die langen Haare das Geheimnis verraten. Sie überschritten das Lagertor, aber nicht für lange Zeit. Sie wurden bald gefangen. Danach kamen Qualen und schlussendlich der Tod.

Manche von den Häftlingen sagten, dass es dank der Liebe möglich war, das Lagerstor zu überschreiten- erzählt Ewelina Matusz, Museumsführerin. Natürlich aber nicht wortwörtlich. Nur so weit, dass man daneben und nicht in der Mitte der Hölle sein konnte.

Aus den Berichten der ehemaligen Häftlinge wissen wir, dass Mala sehr oft erzählte, dass sie liebt und geliebt ist- erzählt weiter Matusz. Sie war glücklich. Sie hoffte, dass ihnen gelänge, wegzukommen und ein normales Leben zu führen. Zusammen gegen die Todesmaschine, gegen das Konzentrationslager.

Das Denken

Um aus dem Lager fliehen zu können, musste man eine Gelegenheit haben. Es war wichtig, dass man seine Arbeit außerhalb des Lagers verrichtete. Es ging um technische Möglichkeiten, die aber nicht jeder hatte. Doch, wir dachten über die Flucht, gibt Kazimierz Smolen zu, einer der ehemaligen Häftlinge vom Lager Auschwitz-Birkenau. Aber man begnügte sich mit dem Gedanken...

Die Musik

Aber wie soll man flüchten, wenn man ständig unter Aufsicht ist oder wenn man im Lager irgendeine Funktion erfüllte. Ein Beispiel dafür ist die Musik der Auschwitz- Kapelle. In diese Gruppe kamen immer wieder neue Personen, z.B. die Dirigenten: Franz Nierychlo und Adam Kopycinski.

Bis zum Jahre 1941 wusste niemand, dass so ein Orchester irgendwann bestehen würde, schreibt Ignacy Szczepanski in seinem Buch „Häftlings- Kapelle“. Niemand dachte in seinen kühnsten Träumen daran, dass dieses Orchester in voller Besetzung bestehen wird. Unvorstellbar war auch, dass so viele berühmte Personen dort spielen würden. Es waren Leute da, die am Fagott, Schlagzeug, Klavier und an der Geige gespielt hatten. Sie traten als eine Gruppe auf, meistens, um den SS-Leuten Freude zu bereiten. Im Buch von Szczepanski liest man folgendes über den Sinn dieser Kapelle: der groβe musikliebhabende Mäzen Szumanski aus Krakau sagte oft: „die Deutschen haben da alles mit dem Stacheldrahtzaun umgeben und schauten, dass niemand flieht. Und ich mache die Augen zu und bin auβerhalb des Drahtes. Sie wissen nicht, dass wir alle Flüchtlinge sind.“

Anna M. Potrzeszcz

Übersetzung: Dominika Antosz (nantosz@wp.pl)


13:23, interjournalists , Texte auf Deutsch
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czwartek, 25 stycznia 2007
Eins, zwei Polizei
-Where do you come from?
-I come from Poland.
-Ah... Holland! Amsterdam..
-No, not Holland.
P O L A N D..
-Ou. Poland... Auschwitz.


In den Gesprächen mit verschiedenen Personen, denen ich begegnet bin, wurde ich oft mit solchen Klischees über Polen konfrontiert. Auschwitz ist für manche Leute der Begriff, wenn sie das Wort Polen hören. Aber leider nicht jeder setzt sich wirklich mit dem Thema auseinander, wie schrecklich und zerstörerisch diese Katastrophe eigentlich war. Doch der Holocaust hat nicht nur die Juden betroffen, obwohl sie 90% der Opfer in Auschwitz-Birkenau ausmachten. Können sich die Menschen diese unendlich große Zahl an Opfern überhaupt vorstellen? Kann sich jemand anhand dieser Zahlen das Ausmaß und den Charakter dieses Verbrechens vorstellen?

„Niemand wird im Stande sein die ganze Wahrheit über Auschwitz zu erzählen, wenn die letzten Zeugen des Holocaust sterben. Diese Wahrheit kann man sich nicht vorstellen, sie übersteigt die Vorstellungskraft jedes Menschen, der es nicht selbst erlebt hat. Für Leute, die das Glück hatten in den Zeiten des Friedens zur Welt zu kommen und für diese, die noch geboren werden, wird das Konzentrationslager Auschwitz zu einem tragischen aber auch menschenlosen Symbol. Zu einem Symbol, das tot wie ein Grab auf dem Friedhof steht, trotz der riesigen Gröβe dieses Friedhofs. Diese Tausende von Menschen, die ermordet, zu Asche und Rauch wurden, sind sowieso für die meisten nur eine tote, unwichtige Zahl, nur ein Begriff“. - erzählt der ehemalige Häftling aus Auschwitz, Mieczyslaw Kieta.


In Auschwitz haben wir uns mit einem anderen ehemaligen Häftling, mit Herrn Kazimierz Smolen getroffen, der wegen der Mitarbeit mit der Widerstandsbewegung verhaftet wurde. Man hatte ihn in Tarnow, Auschwitz und Birkenau in Haft gehalten. Mit dem letzten Todesmarsch am 18. Januar 1945, also vor 62 Jahren wurde er zuerst ins Lager nach Mauthausen und dann nach Melk und Ebensee versetzt.

Mit der vorüberziehenden Front in Richtung West wurde Kazimierz Smolen immer weiter ins Dritte Reich versetzt. Nach dem II. Weltkrieg studierte er Jura an der Jagielloner Universität in Krakau, wie er selber zugibt, „um nicht in die totale Verzweiflung und Depression zu geraten, sondern, um einfach weiter zu leben und dem Leben immer wieder einen neuen Sinn zu geben.“ In vielen Prozessen gegen die Naziverbrecher machte er Aussagen. Über die Zeit im Lager spricht er sehr flieβend und gewandt. In diesem Gespräch will er uns jedes Detail mitteilen, aber gleichzeitig ist das ein kurzer und bündiger Monolog. In einer Stunde haben wir die ganze Geschichte von Herr Smolen gehört: wie kam er ins Lager, auf welche Art und Weise überlebte er (er bekam die Stelle als Schreiber in der Politischen Abteilung) und was geschah mit ihm nach dem Krieg. Ohne überflüssige Digressionen erzählt er die ganze Geschichte so, wie sie war. Wir hören uns aufmerksam das Zeugnis des Überlebenden an und versuchen es zu verstehen; obwohl wir wissen, dass das eigentlich kaum möglich ist.

Keine Generation lebt, schafft und schlussendlich keine stirbt nur für sich. Die Erinnerung an das alles, was in Auschwitz passierte, ist ein Teil der unausgezahlten Schulden, die die Menschheit den Opfern der Geschichte gegenüber einbezogen hat. Wenn wir sie vergessen würden, würden wir in der Geschichte nicht existieren.
Sylwia Mróz (click for the other texts by Sylwia)

Übersetzung: Dominika Antosz (nantosz@wp.pl)

20:33, interjournalists , Texte auf Deutsch
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Die Augen eines Kindes in Auschwitz

Ein schwarz-weißes Foto. Eins von Vielen in Auschwitz. Es wurde auf ca. ein mal ein Meter vergrößert, vielleicht auch kleiner. Für mich jedenfalls ist es riesig. Auf dem Bild ist ein Kind zu sehen. Ein Mädchen oder ein Junge, das kann ich nicht unterscheiden. Zwei Jahre alt, so viel weiβ man. Über dem aufgeblähten Bauch sieht man genau die Linien, die die Rippen hinterlassen. Das Kind hat gekreuzte Beine und Hände, deren Größe völlig unproportional zum Rest des Körpers ist.

Die Kinder im Lager sahen so aus, weil sie ausgehungert und vernachlässigt waren- so erklärt es die Museumführerin Ewelina Matusz. Es ist so als ob die Kinder sich in der Entwicklung zurückziehen würden. Aus diesem Grunde diese Embryonalposition. Dasselbe Kind sehe ich dann später in einem Film über die Befreiung von Auschwitz. Es bewegt seine Hände und Beine und es liegt auf einem Tisch. Die Lippen formen einen Schrei, auch wenn ich diesen Schrei nicht hören kann. An seinem Gesicht kann man erkennen, dass es immer lauter schreit. So als ob es weinen würde, aber aus seinen Augen flieβen keine Träne.

Die Augen voller Entsetzen weit aufgerissen.

Die Kinder starben- so berichtet Zofia Bator, eine der ehemaligen Häftlinge von Auschwitz-Birkenau- sie starben schnell. Sie sahen wie kleine Skelettchen mit groβen Köpfen, kleinen Körpern und aufgeblähten Bäuchen aus.

Sie starben vor Hunger und Ausschöpfung oder wurden auch durch SS-Leute als Arbeitsunfähige getötet.

Es kam auch manchmal vor, dass eine Frau ein Kind gebar- erzählt Matusz- aber dann wurde sie sofort mit ihrem Kind getötet. Wenn es ihr aber gelang zu überleben, musste sie sich meistens den Tod des eigenen Kindes anschauen. Es gab auch Fälle, wo die Mütter Ihre eigenen Kinder erwürgten, weil sie es nicht mehr mit anschauen konnten, wie man die Kinder behandelt.

Die nächste Szene aus dem Film: ein russischer Arzt neigt sich über dem Tisch, auf dem viele Kinderleichen liegen. Kleine und deformierte Kinder. Der Arzt hebt eine der Leichen und untersucht sie. Er macht das so schnell, als ob er eine Puppe in den Händen hätte. Er wirft sie von einer zu der anderen Hand. Die Augen des Kindes werden sich nie mehr öffnen…

Anna M. Potrzeszcz (click for the other texts of Anna)

Uebersetzung   Dominika Antosz (nantosz@wp.pl)

16:41, interjournalists , Texte auf Deutsch
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Weil die Lebenden immer das Vorrecht gegenüber den Verstorbenen haben…

Das Wecksignal um vier Uhr morgens, das laute Schlagen mit der Eisenstange gegen das Eisen durchbohrt das Trommelfell…
Der unerträglicher Lärm und das von überall kommende Stöhnen…
Anschließend schnell zur Latrine laufen, Betten in Ordnung bringen, sich in der Reihe aufstellen; danach das Zählen, ob jemand fehlt; ein miserabler Löffel mit dem komisch stinkenden Brei in der Schüssel…
Der Ausmarsch aus dem Lager, im Übergang zwischen Tag und Nacht, zu der ein paar Kilometer von ihm entfernten Arbeit, die dann etwa zwölf Stunden dauert…
Ohne Pausen, ohne Belohnung, bis zum Pfiff, der mit sich das Ende des Tages bringt…
Dann wieder der lange Weg ins Lager zurück…
Und so verläuft ein Tag nach dem anderen…
Tausendsiebenhundert Tage des Konzentrationslagers Auschwitz- Birkenau…
Das wissen wir, das können wir aus den Erlebnisberichten der Glücklichen lesen, die die Hölle überlebt haben. Wir wissen auch, wie der Alltag im Lager ausgesehen hat.

Aber was wissen wir eigentlich vom Hunger?
„Der Hunger ist dann wirklich, wenn der Mensch den anderen Menschen als ein Objekt zum Essen betrachtet“.
Können wir aber die Gewöhnlichkeit der Verbrecher und all die Umstände, die den Holocaust begleitet haben, verstehen?
„ Es gibt ein paar Leute, die den Verkehr regeln, damit es kein Getümmel gibt und die Leute flieβen wie das Wasser aus dem aufgedrehten Wasserhahn“.
Was ist dann mit diesen Leuten, die zur Ausrottung beigetragen haben; was mit Leuten aus den „Kanada“ genannten Schatzkammern des Lagers, in denen das Hab und Gut der Häftlinge gehortet wurde, oder mit denen, die an der Rampe Ihren Teil zur Selektion beigetragen haben?

„ Das waren keine bösen Leute, das waren nur daran gewöhnte Leute.“
Warum hat man den Kranken, Älteren und den Kindern nicht viel mehr geholfen? Woher kam diese allumfassende Teilnahmslosigkeit?

„Weil die Lebenden immer das Vorrecht gegenüber den Verstorbenen haben“…

Sylwia Mróz (click for the other texts by Sylwia)

Uebersetzung  Dominika Antosz

16:39, interjournalists , Texte auf Deutsch
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